Die teilweise miserable Lesekompentenz von Schülern aus Abgängerklassen wird häufig als erschreckendes Indiz für ein Versagen des Schulsystems ausgemacht. Diese Entwicklung wirkt sich natürlich auch in der Nachhilfe aus: Wie soll man jemandem deutsche Rechtschreibung beibringen, dem bereits das Lesen Probleme bereitet?
Es kommt verschlimmernd hinzu, dass solche Probleme meistens schon in der Grundschule entstehen, also eigentlich in der Phase, auf der alles weiterführende Lernen aufbauen soll. Überfüllte Klassen, veraltete oder „zu experimentelle“ Lehrmethoden oder eine vergiftete Lernatmosphäre, sind die Gründe, weshalb sich von Anfang an falsche Lesegewohnheiten einschleichen, die man später umso schwerer wieder los wird. Deswegen kann es sinnvoll sein, auch schon bei Grundschülern Nachhilfeunterricht zur Förderung der Lesekompetenz zu geben.
Hier einige Tipps zur Verbesserung der Lesekompetenz:
laut lesen: Texte laut vorzulesen ist zum Lesen lernen wohl unabdingbar, aber auch in höheren Schulklassen sollte man es immer wieder trainieren. Hierbei sollte man natürlich auf eine geeignete Umgebung achten: Es sollte relativ ruhig sein, d.h. es sollte keine Musik oder Fernsehen im Hintergrund laufen, man sollte selbst niemanden stören, aber auch nicht gestört werden und wenn man jemandem vorliest, sollte diese Person auch wirklich zuhören und nicht nebenbei irgendwas erledigen, was zu viel Aufmerksamkeit fordern. Viele Kinder stehen zu sehr unter Druck, wenn sie jemandem vorlesen sollen. Dadurch wollen sie es möglichst schnell hinter sich bringen, vergessen zwischendurch Pausen zu machen und verhaspeln sich. Ihnen ist aber nicht geholfen, wenn man “woanders hinguckt” oder sich nebenbei mit etwas anderem beschäftigt. Im Gegenteil: Dadurch irritiert man sie erst recht. Stattdessen sollten sie besser ganz alleine und ungestört üben.
flüssig lesen: Vielen Schülern bereitet es große Probleme, einen Text flüssig vorzulesen. Das liegt in der Regel nicht daran, dass sie ihn selbst nicht verstünden, sondern umgekehrt: Sie können ihn gar nicht verstehen, weil sie alleine auf das Vorlesen konzentriert sind. Das Geheimnis des flüssigen Vorlesens liegt darin, mit den Augen etwas schneller zu lesen als mit dem Mund. Eine erste Hilfe ist es oft, wenn man senkrechte Linien auf das Papier zeichnet und sich zwingt, nicht Wort für Wort oder Silbe für Silbe zu entziffern, sondern mit den Augen von Linie zu Linie zu springen. Wenn man gleichzeitig den gerade gelesenen Text mit einem Stück weißem Papier abdeckt, verhindert man, dass die Augen wieder zurückspringen und man so die Stelle verliert, wo man gerade war. …mehr dazu
Dagegen ist es eher hinderlich, den Text, der noch gelesen werden soll, abzudecken und nur jeweils das Wort oder gar den Buchstaben aufzudecken, wo man gerade ist. Obwohl das “Buchstaben zusammen Schleifen” teilweise immer noch in Grundschulen angewandt wird, macht diese Methode höchstens bei absoluten Leseanfängern Sinn. Und selbst da sollte man besser mit dem Finger oder mit einem Stift mitgehen um die Orientierung zu erleichtern.
Tipps für Profis: Wer einen gelesenen oder auswendig gelernten Text im Rahmen eines Lesewettbewerbs oder eines Theaterstücks vortragen will, sollte sich bewusst machen, das dieser Text für die Zuhörer völlig unbekannt ist. Deswegen “serviert” man den Text in kleinen “Häppchen”: Bei jedem Komma und jedem Punkt macht man eine kleine Pause, damit die Information beim Zuhörer sacken kann. Ideal ist ein Lesetempo, das einem selbst übertrieben langsam vorkommt. Passagen mit wörtlicher Rede sollte man möglichst durch unterschiedliche Stimmlagen deutlich machen. Auch Satzzeichen, wie Frage- und Ausrufezeichen, sollten in der Sprechmelodie zum Ausdruck kommen. Eine deutlichere Aussprache trainieren professionelle Redner, indem sie mit einem Korken zwischen den Zähnen üben. Um das Stimmvolumen zu steigern, kann man sich vorstellen, man müsste durch eine Wand hindurch sprechen oder besser gesagt brüllen. Oft erreicht man auch eine besseres Stimmvolumen, wenn man die Stimmlage etwas absenkt. Außerdem spricht man automatisch lauter, wenn man selbst schlecht hört, beispielsweise Ohropax benutzt, was sich natürlich bei Auftritten nicht unbedingt empfiehlt, aber eine gute Vorbereitung sein kann.