In der Nachhilfe selbst bleibt selten Zeit, Lektüren zu lesen, wenn sie nicht ohnehin im Schulunterricht durchgenommen werden.
Da dies jedoch wahrscheinlich der interessanteste und nebenbei auch nachhaltigste Weg ist, eine Fremdsprache oder überhaupt das Lesen zu lernen, sollte man zumindest versuchen, seine Nachhilfeschüler dafür zu begeistern.
Viele Schüler wachsen gänzlich ohne Bücher auf und lesen selbst die Lektüren, die im Unterricht durchgenommen werden, nicht vollständig, sondern greifen lieber auf Verfilmungen oder Hörbücher zurück.
Wenn man sich die Auswahl an Pflichtlektüren, die nach der Einführung zentraler Abschlussprüfungen „übrig geblieben“ sind, anschaut, kann man diese Leseverdrossenheit sogar sehr gut nachvollziehen. Wenn aber schon die Schule kaum noch echte Begeisterung für Literatur vermitteln kann, dann sollte man wenigstens die Nachhilfe dazu nutzen, dieses Interesse zu wecken.
Wie kann man also Schüler und Eltern davon überzeugen, dass „so viel wie möglich“ zu lesen, das beste Mittel ist, um seine Leistungen zu verbessern?
Argumente: Vorweg ein paar (leider nicht für jeden selbstverständliche) Vorteile des Lesens: Beim Lesen setzt man sich selbstständig mit der Materie auseinander. Man bekommt nichts vorgesetzt, wie im Film, sondern kann selbst das Tempo und die Intensität bestimmen. Besonders schwierige oder „schöne“ Passagen kann man so oft durchgehen, bis man sie wirklich verstanden und verinnerlicht hat. Man kann Wichtiges unterstreichen oder Erläuterungen am Rand vermerken. Man prägt sich nebenbei das Schriftbild ein und kann so seinen Fehlerquotienten abbauen. Man lernt neue Wörter im Zusammenhang kennen. Dadurch kann man sie sich erstens leichter einprägen und zweitens selbst im richtigen Zusammenhang verwenden, also in seinen aktiven Wortschatz einbauen.
Aufwand: Viele Eltern wissen zwar, wie wichtig das Lesen ist, aber kommen einfach nicht dazu, ein geeignetes Buch für ihre Kinder zu besorgen. Diese Arbeit kann man ihnen abnehmen, z.B. indem man einen Katalog von einem Buchverlag zur Nachhilfe mitbringt und mit dem Nachhilfeschüler eine Lektüre aussucht. In vielen Schulen und in den meisten Städten gibt es Bibliotheken, in denen man gegen eine geringe Gebühr Bücher ausleihen kann. Dazu müssen nicht einmal die Eltern selbst mitkommen. Auf Flohmärkten oder bei Internetauktionen bekommt man oft gebrauchte Bücher zu günstigen Preisen.
Sprachniveau: Viele Eltern und Schüler sind sich unsicher, ob das Sprachniveau eines Buches geeignet ist. Vor allem bei fremdsprachlichen Lektüren trauen sich Schüler oft weniger zu, als sie tatsächlich können. Grundsätzlich kann man natürlich jedes Buch verstehen, wenn einen das Thema wirklich interessiert. Aber es gibt auf fast allen Kinder- und Jugendbüchern Altersangaben. Bei fremdsprachlichen Büchern geben deutsche Verläge meistens das Sprachniveau an. …Tipps für Englischlektüren
„aktiv“ lesen: Um eine Lektüre wirklich zu verstehen, reicht es oft nicht aus, es bloß durchgelesen zu haben. Oft spielen Hintergrundinformationen über den Autor, die Epoche oder sprachliche Besonderheiten eine große Rolle. Zu den großen Klassikern gibt es hierzu eine Menge Sekundärliteratur. Der einfachste Weg ist jedoch, im Internet nach Interpretationen zu suchen. Es hat sich auch bewährt, unbekannte Begriffe oder neue Vokabeln herauszuschreiben und nachzuschlagen. Von den großen Klassikern gibt es oft Fassungen, die extra für den Unterricht aufbereitet wurden. Darin finden sich oft auch Vokabellisten, Begriffsdefinitionen und ein kurzer Lebenslauf des Autors. Obwohl Lehrer immer wieder darauf pochen, man müsse nicht jedes einzelne Wort kennen, um den Kontext verstehen zu können, sollte man sich privat diese Zeit nehmen. Vieles lässt sich sicherlich aus dem Zusammenhang erschließen. Aber um seinen Wortschatz effektiv zu erweitern, reicht es oft nicht aus, nur die ungefähre Bedeutung zu kennen. Natürlich macht das Lesen keinen Spaß mehr, wenn man jedes dritte Wort nachschlagen muss, aber es schadet sicherlich nichts, wenn man ein paar zentrale Vokabeln dazulernt.
konsequent lesen: Gerade bei fremdsprachlichen Werken fällt es oft schwer, sich einzulesen. Neben der Konzentration die man für das reine Entziffern der fremden Sprache braucht, muss man sich auch noch in die Szenerie einfinden, die Charaktere und Handlungsorte kennen lernen und die Kernproblematik erfassen. Hier sollte man nicht zu früh aufgeben: Wenn man erst mal über die ersten Seiten hinweg ist, fallen diese Anfangshürden weg und man kann sich wirklich auf die Handlung konzentrieren. Im Idealfall merkt man irgendwann gar nicht mehr, dass man in einer fremden Sprache liest. Trotzdem sollte man sich bei einem Buch, das einem partout nicht gefällt oder sprachlich zu schwierig ist, nicht bis zum bitteren Ende durchquälen. Während man in der Schule persönliche Interessen hinten anstellen muss, sollte man seine Freizeit dazu nutzen, seinen eigenen Geschmack zu entwickeln.
laut lesen: Um die Aussprache zu verbessern hilft nur eins: Sprechen üben. Zum Beispiel indem man einen (bekannten) Text in einer Fremdsprache laut vorliest. Hierbei sollte man natürlich auf eine geeignete Umgebung achten: Es sollte relativ ruhig sein, d.h. es sollte keine Musik oder Fernsehen im Hintergrund laufen, man sollte selbst niemanden stören, aber auch nicht gestört werden und wenn man jemandem vorliest, sollte diese Person auch wirklich zuhören und nicht nebenbei irgendwas erledigen, was zu viel Aufmerksamkeit fordern. Viele Schüler stehen zu sehr unter Druck, wenn sie jemandem vorlesen sollen. Dadurch wollen sie es möglichst schnell hinter sich bringen, vergessen zwischendurch Pausen zu machen und verhaspeln sich. Ihnen ist aber nicht geholfen, wenn man „woanders hinguckt“ oder sich nebenbei mit etwas anderem beschäftigt. Im Gegenteil: Dadurch irritiert man sie erst recht. Stattdessen sollten sie besser ganz alleine und ungestört üben.