Referate sind zum Ende des Schuljahres ein verbreitetes Mittel, um die mündliche Note zu steigern, aber dank moderner Lehrmethoden (Stichwort: Lernen lernen und so) werden Referate mehr und mehr Bestandteil des regulären Unterrichts.
Oft werden Nachhilfelehrer sogar eigens engagiert, um einen Schüler bei der Referatsvorbereitung zu unterstützen. Hier einigeTipps, worauf man dabei achten sollte:
Aufgabenstellung ernst nehmen:
(Zu) schlecht bewertete Referate fallen meistens in die Kategorie „Thema verfehlt“. Oft liegt liegt dies an Missverständnissen zwischen Lehrern und Schülern: Mit einer Aufgabenstellung wie „Dann erzähl uns doch mal was über Vulkanismus.“ kann man als Schüler in der Regel wenig anfangen, als Nachhilfelehrer noch viel weniger. Optimal ist natürlich eine schriftliche Aufgabenstellung. Die wenigsten Lehrer werden jedoch den Aufwand betreiben, zu einem Referat eine schriftliche Aufgabenstellung auszudrucken. Deswegen sollte man den Schüler beauftragen, so genau wie möglich in Erfahrung zu bringen, wie sich der Lehrer das Referat vorstellt: Wie genau ist das Thema abzugrenzen? Welche Themenblöcke gehören noch dazu, welche nicht mehr? Wie lang soll der Vortrag sein? Kommt es allein auf den mündlichen Vortrag an oder soll darüber hinaus auch eine schriftliche Ausarbeitung abgegeben werden? Ist das Referat eher als Einführung oder als Wiederholung gedacht? Soll es sich um einen Ausblick oder ein praktisches Beispiel zum aktuellen Unterrichtsthema handeln? Oder soll es womöglich sogar eine Unterrichtseinheit ersetzen und das Thema erschöpfend abhandeln?
Recherchieren und Material sammeln:
Wenn diese Zielrichtung geklärt ist, muss man sich zunächst einen Überblick verschaffen. Dieses Stadium ist für Nachhilfelehrer besonders kompliziert: Man soll den Schüler bei einer Arbeit begleiten, die er eigentlich völlig selbstständig erledigen müsste, will ihm nichts vorkauen, aber auch nicht untätig zuschauen. Wichtig ist, dass man den Nachhilfeschüler wirklich zur Recherche anleitet, aber nicht seine Arbeit übernimmt. Trotzdem sollte man vorbereitet sein, falls die Ausbeute zu dünn aufällt: Hierzu reicht es jedoch, ein paar Ausdrucke mitzubringen. Diese auszuwerten, bleibt Aufgabe des Nachhilfeschülers. Manchmal geben Lehrer als Hilfestellung einige Arbeitsblätter zum Thema mit, nennen Literaturtipps oder geben Seiten im Lehrbuch an, wo man sich vertiefende Informationen beschaffen kann. Wenn solche Informationsquellen nicht vorhanden sind, bietet sich natürlich das Internet zur Recherche an. Besonders empfehlenswert, wenn auch von vielen Lehrern eher misstrauisch betrachtet, ist hierzu die freie Enzyklopädie Wikipedia, die sehr umfangreich, wenn auch nicht immer wissenschaftslich einwandfrei über alle nur erdenklichen Themen berichtet – allerdings sollte man die Informationen gegebenfalls mit anderen Quellen abgleichen, um sicher zu gehen, dass man sich nicht unnötig mit umstrittenen Einzelmeinungen befasst. Je nach Anspruchsgrad des Lehrers und der Jahrgangsstufe muss man auch die Quellen angeben. Dazu sollte man sich am besten auf jeder Kopie Autor sowie Form und Datum der Veröffentlichung (vor allem bei Zeitungsartikeln) notieren.
Referatsstruktur erstellen:
Um ein Referat überzeugend vorzutragen, braucht man einen roten Faden, den man auch den Zuhörern klar verdeutlichen sollte. Hierzu sollte man gemeinsam mit dem Nachhilfeschüler nochmal die gesammelten Materialien durchgehen und sie nach unwichtig und wichtig, oberflächlich und detailliert unterteilen. Das ein Referat aus einer Einführung, einem Hauptteil und einem Schluss besteht, dürfte hinreichend bekannt sein. Wie die einzelnen Teile auszugestalten sind, hängt stark vom Fach, vom Thema , vom Lehrer, vom Schüler selbst und natürlich von der konkreten Aufgabenstellung ab. Wichtig ist, dass die Einführung zunächst einen allgemeinen Überblick verschafft, man erst im Hauptteil tiefer ins Detail geht und zum Schluss einen kurzen Ausblick gibt, einen Bezug zur aktuellen Situation herstellt oder die Auswirkungen einer bestimmten Entdeckung, Erfindung, eines geschichtlichen Ereignisses, etc. auf die Gegenwart veranschaulicht. Hierzu gibt es jedoch keine 08/15-Lösungen, wie gesagt: Die Ausgestaltung ist letztlich Geschmacksfrage.
Hilfsmittel zum Vortrag:
Im Zuge der „moderner“ Unterrichtsmethoden wird den Schülern mittlerweile eine umfangreiche Methodenkompetenz abverlangt, die im Idealfall diejenige des beurteilenden Lehrers noch bei Weitem übersteigen sollte. Während sich über Sinn und Unsinn dieses Methodenwahns trefflich streiten lässt, sollte man sich jedenfalls nicht die Blöße geben, ganz ohne Veranschaulichung vorzutragen. Ob man dazu ein moderneres oder ein konventionelles Hilfsmittel verwendet, hängt vor allem von den Erwartungen des Lehrers ab, sollte jedoch auch auf die persönlichen Grenzen abgestimmt sein. Wenn man mit der Technik auf Kriegsfuß steht, sollte man sich lieber nicht bei einer Powerpoint-Präsentation blamieren – und wenn der Lehrer einem noch so viele Bonuspunkte darauf gegeben hätte. Aber vorsichtig: Wer sich als Technikkenner produzieren will, stößt bei Lehrern „der alten Schule“ häufig auf taube Ohren. Eine gut gemachte Präsentation kann natürlich einen um so größeren Effekt erzielen, man sollte sich dann allerdings am besten selbst um das entsprechende Equipment kümmern (beim Hausmeister, Medienbeauftragten, etc. nachfragen) und die Geräte auch tatsächlich bedienen können.
An Präsentationsmitteln steht eine breite Palette zur Verfügung: Vom klassischen Tafelbild über Plakate, Karteikarten, Overhead-Folien, Handouts, selbstgebastelten Modellen oder kurzen Sketchen bis hin zu besagter Powerpoint-Präsentation, möchte ich hier darauf verzichten, die einzelnen Präsentationsformen vorzustellen.
Wichtig ist hierbei das richtige Maß zu finden. Wiederum gilt es, den persönlichen Geschmack des Lehrers möglichst genau zu treffen: Während der eine für kreative Spielereien empfänglich ist, sieht der andere Präsentationsmethoden eher als notwendiges Übel und ist mit einem kurzen Handout oder einer Folie zur Referatsstruktur zufrieden. Andererseits sollte man jedoch die Möglichkeiten eines Präsentationsmittels auch ausschöpfen: Eine Powerpoint-Präsentation, die aus reinem Text besteht, sieht nach billigem Rumgepose aus – denn ein Handout oder ein Tafelbild hätte hierfür völlig ausgereicht. Wenn man also multimedial arbeiten will, sollte man auch Bilder, Filmausschnitte oder Tondokumente verwerten.
sicherer Vortrag:
Vor allem schüchterneren Schülern graut es oft davor, vor der Klasse Rede und Antwort zu stehen. In diese Angst darf man sich nicht hineinsteigern, mit einem beschwichtigendem „Wird schon nicht so schlimm werden!“, ist einem allerdings auch nicht geholfen, zumal die Ängste oftmals leider nicht unberechtigt sind: Es gibt tatsächlich nicht wenige Lehrer, die solche Situationen nutzen, um Schüler vor der Klasse bloßzustellen. Und es gibt auch übel meinende Mitschüler, die hierin ein gefundenes Fressen zum Lästern und Schikanieren sehen. Deswegen sollte man als Nachhilfelehrer solche Bedenken unbedingt ernst nehmen und sich nach deren Vorgeschichte erkundigen.
Anschließend sollte man dem Schüler allerdings klar machen, dass er sich früher oder später diesen Problemen ohnehin stellen muss und dass er diese Schikanen womöglich überbewertet oder fehlinterpretiert.
Allgemein gilt es beim Vortragen mit ruhiger, klarer Stimme langsam und deutlich zu sprechen. Positiv wird es bewertet, wenn man auf Zwischenfragen kurz eingeht, sich aber nicht dadurch vom Konzept abbringen lässt und bei der Sache bleibt. Sprachlich sollte man darauf achten, dass man nicht blind mit Fachbegriffen um sich wirft, sondern auch deren Bedeutung und die richtige Aussprache kennt. Außerdem kommen umgangssprachliche Ausdrücke oft unpassend rüber.
noch eine kurze Anmerkung zum Umgang mit Kritik:
Natürlich ist es voll daneben, wenn Mitschüler einen nach dem Referat im Beisein des Lehrers negativ kritisieren, sei es inhaltlicher oder methodischer Natur. Allerdings ist solche Kritik oft einfach nur trampelig und selten persönlich gemeint. Anstatt beleidigt zu reagieren, sollte man dem Mitschüler bei der nächsten Gelegenheit die Meinung sagen und es danach möglichst dabei beruhen lassen.
In aller Regel kommt es negativ rüber, wenn man zu einzelnen Kritikpunkten Stellung bezieht oder sich gar ausschweifend rechtfertigt. Manchmal sind ein paar klärende Anmerkungen sicher angebracht, aber man sollte sich wirklich bemühen, diese kurz zu halten. Schließlich hat man im Vorfeld lange genug geredet. Im Normalfall sollte man sichbei positiver wie negativer Kritik nur kurz bedanken und sich gegenbenenfalls kurze Notizen dazu machen.