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September 4, 2007

mündliche Mitarbeit steigern

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Obwohl Nachhilfe in aller Regel darauf ausgerichtet ist, die schriftlichen Schulleistungen zu verbessern, kann man auch am mündlichen Notenanteil, der oft sogar den größeren Prozentsatz ausmacht, arbeiten. Zwar bewertet die mündliche Note nicht nur die Beteiligung im Unterricht, sondern drückt vielmehr auch eine regelmäßige Teilnahme am Unterricht, eine regelmäßige Erledigung der Hausaufgaben sowie Bewertungen von Vokabel- o.ä. -tests, Lernkontrollen oder mündlichen Abfragen aus. Als Nachhilfelehrer hat man auf diese Faktoren jedoch kaum Einfluss. Gerade bei Schülern mit Prüfungsangst oder mit fachspezifischen Lernschwächen ist eine Verbesserung der mündlichen Mitarbeit daher der naheliegenste Weg, um die Noten langfristig zu steigern.

Wie aber lässt sich die mündliche Mitarbeit durch die Nachhilfe positiv beeinflussen?

- Selbstbewusstsein stärken: Mangelnde Unterrichtsbeteiligung rührt bei vielen Schülern nicht von Unwissenheit oder Desinteresse, sondern schlicht von Schüchternheit. Das beste Rezept gegen Schüchternheit sind Erfolgserlebnisse: Wer regelmäßig gute Noten schreibt, wird weniger Hemmungen haben sich im Unterricht zu beteiligen. Da Nachhilfeschüler naturgemäß vorwiegend schlechte Erfahrungen in dem betroffenen Fach machen, sollte man als Nachhilfelehrer versuchen, ihnen ihre Stärken und ihren persönlichen Lernfortschritt aufzuzeigen. Man sollte auch kleine Erfolge loben und sachlich-ruhig mit Fehlern umgehen.

- Sprachkompetenz verbessern:
Viele Schüler sagen im Unterricht zu wenig, weil sie sprachlich unsicher sind, ihnen schlicht die Vokabeln fehlen, um einen bestimmten Sachverhalt in Worte zu fassen oder sie Angst haben mit fehlerhaften Beiträgen einen noch schlechteren Eindruck zu hinterlassen. Bei einigen Lehrern ist diese Angst sogar gerechtfertigt: Leider gibt es immernoch viele Fremdsprachenlehrer (und auch andere Fachlehrer in Bezug auf Schüler mit Migrationshintergrund), denen eine fehlerfreie Aussprache über inhaltliche Mitarbeit geht. In diesen Fällen hilft nur Sprechtraining: Den Nachhilfeunterricht wenn möglich in der entsprechenden Sprache abhalten. Dem Schüler viel Gelegenheit geben, frei zu sprechen. Gegenbenenfalls kann man auch eine Sprachreise empfehlen.

- Unfaires Lehrerverhalten entzaubern: Leider gibt es immer wieder Lehrer, die schüchterne Schüler noch zusätzlich verunsichern, indem sie übertrieben auf Fehler reagieren, sie vorführen, mit rhetorischen Fangfragen nachbohren, ihre Wortbeiträge unterbrechen, ihnen nicht aufmerksam zuhören oder ihre Wortmeldung komplett ignorieren. In einem solchen Unterrichtsklima fällt es sogar selbstbewussten Schülern schwer, sich mit ihrem Wissen einzubringen oder auch nur Fragen zu stellen. Für schüchterne Schüler wird dies annähernd unmöglich. Wenn man von solchen Vorfällen hört, kann man als Nachhilfeschüler ruhig darauf hinweisen, dass es allgemein unüblich ist, so mit Schülern und ihren Schwächen umzugehen. Jedoch sollte man sich davor hüten, in plumpe Lehrerschelte zu verfallen. Sonst wirkt man schnell unseriös.

- Mitarbeit kontinuierlich steigern: Man kann von keinem Schüler verlangen, dass er innerhalb weniger Wochen sein ganzes Unterrichtsverhalten umkrempelt. Ein erster Schritt ist, dass der Schüler sich überhaupt wieder von sich aus meldet. Man kann z.B. vereinbaren, dass der Nachhilfeschüler eine Strichliste führt, wie oft er sich meldet und wie oft er drangenommen wird. Als Faustregel gilt: 3 Wortmeldungen pro Schulstunde. Dies kann jedoch je nach Thema, Unterrichtsstil, Klassengröße und Fachbereich stark variieren. Leider neigen Lehrer außerdem dazu, Schüler in Schubladen einzukategorisieren: Wer einmal als „zu still“ oder „zu unaufmerksam“ abgestempelt ist, wird sich nur mit größten Schwierigkeiten wieder von seinem Image befreien können. Eine schrittweise Steigerung zahlt sich daher oft erst langfristig – manchmal sogar erst nach einem Lehrerwechsel – aus.

- Wortbeiträge vorbereiten: In Einzelfällen kann man die mündliche Mitarbeit gezielt in der Nachhilfe vorbereiten. Dies ist vor allem bei Referaten der Fall. Man kann aber auch einzelne Hausaufgaben vorbereiten und anschließend üben, sie vorzutragen. Die meisten Lehrer erwarten nicht unbedingt brilliante Geistesblitze von ihren Schülern, sondern lediglich ein bisschen Eigeninitiative beim Vortragen der Hausaufgaben oder Wiederholen bekannter Unterrichtsinhalte.

- äußere Umstände überprüfen: Häufig gibt es aber viel einleuchtendere Gründe für eine mangelnde Beteiligung: Eine ungünstige Sitzkonstellation, bei der der Nachhilfeschüler ungestört schwätzen oder träumen kann, häufig von unkonzentrierten Tischnachbarn abgelenkt wird, zu weit von der Tafel entfernt ist oder sogar mit dem Rücken zur Tafel sitzt. Selbst die berüchtigte erste Reihe muss nicht unbedingt die beste Wahl sein: Viele Lehrer übersehen Wortmeldungen in der ersten Reihe, wenn sie während des Unterrichts im Klassenraum auf und ab gehen oder stets bemüht sind, die hinteren Reihen im Blick zu behalten. Häufig ist auch eine unbemerkte Seh- oder Hörschwäche Ursache der mangelnden Beteiligung.

Schließlich muss dem Schüler klar sein, dass er sich nicht dem Nachhilfelehrer, dem Fachlehrer oder seinen Eltern zu Liebe mehr beteiligen soll, sondern dass er einfach in der Schule die Möglichkeit hat, Erfahrungen zu sammeln vor einer Gruppe Menschen zu sprechen, die ihm später nur von Vorteil sein können. Man muss sich nicht komplett umkrempeln, aber ein bisschen stärker aus sich herauszugehen, wird fast allen Schülern möglich sein.

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