Forum für Nachhilfelehrer, Schüler und Eltern

August 29, 2007

Nichtpädagogen im Schuldienst – Unterrichtsgarantie+ & Co.

Gespeichert unter: Jobs — leaboos @ 9:30

Was für die Bildungspolitik ein Fluch sein mag, kann Nachhilfelehrern zum Segen werden: In fast allen Bundesländern sind die Schulen dazu angehalten, Pools mit Aushilfslehrern anzulegen, sodass im Falle von Unterrichtsausfällen Ersatzkräfte abrufbar sind, die meistens recht kurzfristig den Unterricht wieder aufnehmen können. In der Regel sind es Lehramtsstudenten, aber auch arbeitslose Akademiker, manchmal sogar hilfsbereite Eltern oder Ein-Euro-Jobber, die den Unterricht übernehmen. So bieten sich hier auch völlig neue Möglichkeiten für erfahrene Nachhilfelehrer (, die ganz – nebenbei gesagt – unter den genannten Personengruppen wahrscheinlich sogar die besten Lernergebnisse bei den Schülern bewirken könnten).

Die Debatte um den Einsatz von Nichtpädagogen im Schuldienst betrifft völlig unterschiedliche Interessensgruppen. So muss sie auch unter den verschiedenen Gesichtspunkten diskutiert werden: Einerseits haben die Schüler, bzw. deren Eltern, ein berechtigtes Interesse daran, dass der Unterricht möglichst ausschließlich von dafür ausgebildeteten Kräften gehalten wird. Andererseits sind häufige Unterrichtsausfälle und damit verbundene unzuverlässige Schulzeiten ebenso eine Zumutung für berufstätige Eltern wie für die betroffenen Schüler gleichermaßen, die sich zwar spontan über ihr Schulfrei freuen, aber dadurch im Endeffekt umso schlechter auf ihre Abschlussprüfungen vorbereitet werden.

Des Weiteren sind die Interessen der arbeitslosen Lehrer betroffen: Der Spiegel schreibt: „Schulen in NRW suchen z.B. derzeit 320 Lehrer-Aushilfen – dem stehen 3600 ausgebildete Grundschullehrer ohne Anstellung gegenüber.“ (Ausgabe Nr. 35/ 27.8.07) Die GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, in der viele Lehrer organisiert sind) sieht darin einen Trend zum Billig-Unterricht: Die Aushilfslehrer kosten gerade mal einen Bruchteil des entsprechenden Lehrergehalts.

Schließlich stellt sich die Frage, ob es sich für die beteiligten Aushilfslehrer selbst lohnt:

- schlechte Bezahlung: Die Aushilfsstunden werden teilweise nur mit 15,- €/ Unterrichtseinheit vergütet. Das ist weniger als sich auf dem freien Markt mit Nachhilfe verdienen lässt. Immer wieder werden Fälle bekannt, wo Aushilfslehrer monatelang auf ihr Geld warten mussten und teilweise Außenstände in 4-stelliger Höhe ansammelten. Man sollte also die Bezahlungsformalitäten im Vorfeld genau mit dem Schulleiter absprechen.

- Stoß ins kalte Wasser: Diejenigen, die Erfahrungen mit Lehrer-Aushilfe gemacht haben, beklagen sich oft über eine miserable Einarbeitung: Leute, die nie im Leben eine Pädagogikvorlesung besucht haben, sollen im Handumdrehen Grundschulklassen beim Lesen lernen oder im Sportunterricht anleiten. Viele erfuhren erst durch Zufall, welche (Lern)Behinderungen, Erkrankungen oder sonstige Besonderheiten ihre neuen Schüler haben.

- unzuverlässige Arbeitszeiten: Wie eingangs bereits erwähnt, kommen die Anfragen oft sehr kurzfristig. Im Einzelfall kann der Aushilfsjob mit langen Anfahrtszeiten verbunden sein, da sich ein Umzug für die kurze Überbrückungszeit kaum in Frage kommt. Einige Aushilfslehrer erfuhren auch genauso kurzfristig, dass sie am nächsten Tag nicht mehr gebraucht würden – als sie den Unterricht schon vorbereitet hatten.

- Buh-Mann im Kollegium: Oft wird auch von feindseligem Verhalten der festangestellten Lehrer berichtet: Aushilfslehrer werden von ihren neuen „Kollegen“ oft wie Eindringlinge oder zumindest wie Fremdkörper behandelt. Von ihnen können sie nur wenig Hilfsbereitschaft oder Verständnis erwarten. Größtenteils werden die ihnen entgegengebrachten Vorurteile auch zutreffen: Kaum Unterrichtserfahrung, kein „Insider-Wissen“ über die Besonderheiten der Schule, mangelnde pädagogische Stärke und Durchsetzungsfähigkeit, etc. Prinzipiell ist es ja auch nachvollziehbar, dass ausgebildete Lehrkräfte sich durch Aushilfslehrer in ihrem Selbstverständnis angegriffen fühlen: Sie, die für ihren Beruf jahrelang studiert haben, sollen jetzt durch gering qualifizierte Billiglöhner ersetzt werden?

- Einblicke ins Schulwesen: Lehramtsstudenten können jedoch sicher auch wertvolle Erfahrungen für ihren späteren Beruf sammeln und nebenbei ein bisschen Geld dazuverdienen…

Wer Interesse hat, als Aushilfslehrer an Schulen eingesetzt zu werden, sollte sich an die Schulleiter der in Frage kommenden Schulen wenden.

1 Kommentar »

  1. Jaja, so ist das mit den Aushilfslehrern.
    Da kann ich auch ein Liedchen davon singen.
    Die Entscheidung, nach dem Studium nicht Lehrer zu werden ist mir danach allerdings ganz leicht gefallen ;)

    Kommentar von Aushilfsjob — Oktober 12, 2009 @ 3:11 | Antworten


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