Forum für Nachhilfelehrer, Schüler und Eltern

Juli 14, 2007

Aufbau einer Unterrichtseinheit

Gespeichert unter: Didaktik — leaboos @ 11:56

Unabhängig von der Länge einer Einheit muss man sich die (meist viel zu knappe) Zeit sinnvoll einteilen und ein bisschen Abwechslung in die Aufgabengestaltung bringen. Kein Schüler wird es mögen, eine ganze Stunde lang nur Diktate zu schreiben oder nur Vokabeln zu üben.

Da viele Nachhilfelehrer (inklusive mir selbst) in punkto Pädagogik Autodidakten sind und nie studiert haben, wie man jemandem einen bestimmten Lernstoff vermittelt, hier ein paar Tipps, wie man eine Unterrichtseinheit aufbauen sollte:

- Warm up:
Sowohl für den Schüler als auch für den Nachhilfelehrer selbst ist es sinnvoll, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, sondern erst mal ein bisschen Smalltalk zu halten. In dieser Aufwärmphase kann man sich geistig auf die Nachhilfe einstellen und die dafür notwendige Konzentration sammeln. Bei Schülern, die besonders hibbelig sind, kann diese Phase ruhig eine längere Zeit in Anspruch nehmen und richtige Konzentrationsübungen beinhalten. Bei Schülern, die sich gut konzentrieren können, sollte man sich aber darauf beschränken, den Arbeitsplatz für die Nachhilfe vorzubereiten: Also Bücher rausholen, ggf. andere Sachen wegräumen, etc. Wenn man Nachhilfe in einer Fremdsprache gibt, kann man ab einem gewissen Sprachlevel des Schülers sich auch ein bisschen in der anderen Sprache mit ihm unterhalten. Auf diese Weise merkt man gleichzeitig, welche Fehler er beim Sprechen macht, bzw. bei welchen Wörtern er Ausspracheprobleme hat.

- roten Faden behalten:
Für den Schüler ist es wichtig, dass er das Konzept versteht, nach dem der Nachhilfelehrer vorgeht. Wer in der Schule schon nicht verstanden hat, wie die einzelnen Lerneinheiten zusammenhängen, was beispielsweise binomische Formeln mit Potenzen zu tun haben, wird auch zu Hause Schwierigkeiten haben, überhaupt das System zu verstehen. Deswegen sollte man ein klares Konzept haben und zu Beginn jeder Stunde deutlich machen, an welcher Stelle des Konzepts man sich aktuell befindet. (Zum Beispiel: Wir wollten die tenses noch mal wiederholen. Die present tenses haben wir jetzt abgeschlossen und fangen heute mit dem simple past an.) So kann der Schüler seinen eigenen Lernfortschritt besser einschätzen und hat außerdem ein ungefähre Vorstellung, wann die Nachhilfe endlich vorbei ist und er wieder spielen kann…

- vom Einfachen zum Schwierigeren:
Allgemein gilt die Regel, sich vom Einfacheren zum Schwierigeren vorzuarbeiten. Ähnlich wie der Körper beim Sport, braucht auch das Gehirn eine gewisse Zeit um sich „warm“ zu laufen, bevor es zu Höchstleistungen bereit ist. Deswegen sollte man Wiederholungsübungen an den Anfang einer Einheit setzen und erst danach mit etwas Neuem anfangen. Oft sind schwierige Aufgaben in Schulbüchern als solche gekennzeichnet. Diese sollte man möglichst für den Schluss aufheben.

- viel Abwechslung, aber kein Durcheinander:
Bei der Vorbereitung einer Einheit sollte man darauf achten, dass sich die Aufgaben nicht ständig wiederholen. Schön ist es, wenn die einzelnen Aufgaben tatsächlich aufeinander aufbauen. Dies lässt sich jedoch nur in den wenigsten Fällen so einrichten. Im Normalfall genügt es jedoch, wenn man ein bisschen Abwechslung in die Aufgabenstellung und auch in die optische Gestaltung von Arbeitsblättern bringt.

Man sollte allerdings darauf achten, dass man keine Verwirrung stiftet. So sollte man Lerninhalte, die sehr ähnlich und leicht zu verwechseln sind, zeitlich klar voneinander trennen. So macht es z.B. keinen Sinn, innerhalb einer Unterrichtseinheit mehrere tenses neu einzuführen. Sonst besteht die Gefahr, dass der Schüler am Ende alles durcheinander bringt.

- rechtzeitig fertig werden:
Oft schafft man es nicht, genau zum Ende der Stunde fertig zu werden. Je nachdem wie genau es die Eltern mit der Zeit nehmen, kann man ggf. einige Minuten früher aufhören. Oft gibt es ja auch noch Organisatorisches zu besprechen.

Wenn man jedoch kurz vor Schluss eine Aufgabe angefangen hat, sollte man sie auch zu Ende bringen, auch wenn man überziehen muss. Möglicherweise kann man dafür das nächste Mal entsprechend früher aufhören. Wenn man selbst oder der Schüler anschließend einen Termin hat, kann man den Rest der Übung auch als Hausaufgabe aufgeben. Dann sollte man aber auch nicht vergessen, diese beim nächsten Treffen zu kontrollieren.

- Cool down:
Wie im Sport ist es auch bei geistiger Arbeit sinnvoll, zum Schluss einer Einheit eine Entspannungsphase einzubauen. In dieser Phase kann das Gelernte sacken und das Gehirn die einzelnen Lerninhalte sortieren und speichern. Der Lernprozess ist nämlich nicht in dem Moment abgeschlossen, wenn man vom Schreibtisch aufsteht: Das Gehirn „lernt“ auch dann weiter, wenn man sich selbst schon wieder mit etwas völlig anderem beschäftigt. Allerdings nur, wenn man es nicht darin blockiert, indem man beispielsweise ähnliche Inhalte ohne Pause nacheinander lernt (z.B. Englisch- und Französisch-Vokabeln). In der Nachhilfe kommt man allerdings nur selten dazu, ein echtes Cool down einzubauen. Meistens geschieht dies eher unfreiwillig, weil man z.B. festsstellt, dass man zu wenig Material vorbereitet hat. Dies ist aber auch nicht weiter schlimm: Schließlich kann der Schüler sich auch ohne Anleitung entspannen. Man sollte ihm nur (und vor allem auch den Eltern!) ans Herz legen, nicht direkt nach der Nachhilfe mit den Hausaufgaben weiter zu machen.

Wenn man diese Phase gezielt in den Unterricht einbauen will, kann man beispielsweise zum Schluss eine Zusammenfassung des gelernten Stoffes als Skizze aufzeichnen. Man kann Lernspiele in den Unterricht einbauen. Bei Nachhilfe in Fremdsprachen bieten sich Ausspracheübungen oder Small Talk an. Oder man kann dem Schüler ein bisschen aus seiner Lektüre vorlesen, bzw. ihn selbst vorlesen lassen.

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