Forum für Nachhilfelehrer, Schüler und Eltern

Dezember 13, 2007

freies Schreiben trainieren

Gespeichert unter: Tipps — leaboos @ 12:54

Kreatives Schreiben ist zwar selten Gegenstand von Klassenarbeiten, wird aber häufig als Hausaufgabe aufgeben und hat im “späteren Leben” eine große Bedeutung.

Wie überwindet man also die berüchtigte “Angst vor dem leeren Blatt”?

Ideen sammeln:
Für den Einstieg bietet sich eine Ideensammlung an: Ausgehend vom Thema des Aufsatzes kann man mit Hilfe einer Mindmap sich einen Überblick über verschiedene Gesichtspunkte des Themas und ihre Zusammenhänge untereinander verschaffen. Anschließend gilt es, Struktur in die Sammlung zu bringen, quasi ein Konzept für den Aufsatz zu entwickeln:
chronologischer Aufbau: Es wird über nach Datum sortierte Ereignisse berichtet.
erörternder Aufbau: Die Ausgangsthese wird anhand von Pro- und Kontra-Argumenten geprüft.
Plädoyer: Das Plädoyer ist das einseitige Gegenstück zur Erörterung: Hier wird sehr voreingenommen und parteiisch für oder gegen die Ausgangsthese argumentiert, wobei mögliche Gegenargumente bereits entschärft werden sollen, bevor sie überhaupt erst vorgebracht werden können. Diese Form wird oft in der Interessenvertretung (z.B. SV, Schülerzeitung) genutzt.
analytischer Aufbau: Ausgehend von verschiedenen Symptomen oder Problemen, werden Erklärungs- oder Lösungsansätze entwickelt.
Erzählung: Kurzgeschichten, Erlebnisberichte, etc.  folgen keinem festgelegten Aufbau. Hier sollte man zunächst die Hauptpersonen und die Handlungsorte vorstellen und daraus chronologisch (nach der Reihenfolge der Ereignisse) die eigentliche Geschichte entwickeln.

Gliederung:
Zu den verschiedenen Aufsatztypen gibt es verschiedene Aufbauschemata. Ihnen gemein ist die Grobeinteilung in Einleitung, Hauptteil und Schluss:
Einleitung: Die Einleitung soll zum Thema hinführen, das zu lösende Problem oder die zu prüfende These vorstellen und Symptome oder Folgen skizzieren. Hierzu sollte man einen objektiven, beschreibenden Schreibstil wählen, keine Argumente oder Analysen vorwegnehmen. Gleichzeitig erwarten viele Lehrer (und auch pädagogisch nicht vorgebildete Leser), dass in der Einleitung Neugierde am Thema geweckt wird, teilweise werden Einleitungen daher sehr verkürzt, plakativ und reißerisch geschrieben.
Hauptteil: Die eigentliche Auseinandersetzung mit dem Thema findet im Hauptteil statt. Je nachdem, ob eine sachlich-objektive Erörterung oder eine subjektivere Aufsatzform gewählt wurde, sollte man hier entweder sachlich bleiben, Argumente gegenüber stellen und bestimmte Phänomene oder Ereignisse beschreiben oder man kann hier schon sprachliche Spitzen einbauen, sollte aber darauf achten, dass man sein Pulver nicht bis zum Schluss schon verschossen hat.
Schluss: Der Schluss eines Aufsatzes dient als Ausblick, Zusammenfassung oder zur persönlichen Stellungnahme. Hierbei ist es oft problematisch, sich nicht zu wiederholen. Bei einer Erörterung kann man die stärksten Argumente, die für die eigene Meinung sprechen, nochmals aufzählen. Bei einem Bericht oder einer Textanalyse sollte man eine Empfehlung formulieren…. usw. Der Schlussteil hängt sehr vom Aufsatztyp ab. Deswegen soll dieser kurze Überblick an dieser Stelle genügen.

…detaillierte Tipps und Aufbauschemata zur Erörterung und zur Inhaltsangabe

wenn einem gar nichts einfällt…
…hilft es, einfach draufloszuschreiben, was einem gerade einfällt. Egal, ob es zum Thema passt oder man gedanklich gerade mit etwas völlig anderem beschäftigt ist. Sobald man alles zu Papier gebracht hat, was einen die ganze Zeit abgelenkt hat, merkt man, dass sich die Gedanken plötzlich viel leichter ordnen lassen und man sich besser konzentrieren kann.

und zu guter letzt:
Kreativität kann man nicht erzwingen. Wenn man gar keine Idee hat, ist es tatsächlich besser, den Aufsatz auf einen besseren Tag aufzuschieben…

November 14, 2007

Lesen lernen – flüssiges Vorlesen

Gespeichert unter: Tipps — leaboos @ 2:57

 

Die teilweise miserable Lesekompentenz von Schülern aus Abgängerklassen wird häufig als erschreckendes Indiz für ein Versagen des Schulsystems ausgemacht. Diese Entwicklung wirkt sich natürlich auch in der Nachhilfe aus: Wie soll man jemandem deutsche Rechtschreibung beibringen, dem bereits das Lesen Probleme bereitet?

Es kommt verschlimmernd hinzu, dass solche Probleme meistens schon in der Grundschule entstehen, also eigentlich in der Phase, auf der alles weiterführende Lernen aufbauen soll. Überfüllte Klassen, veraltete oder “zu experimentelle” Lehrmethoden oder eine vergiftete Lernatmosphäre, sind die Gründe, weshalb sich von Anfang an falsche Lesegewohnheiten einschleichen, die man später umso schwerer wieder los wird. Deswegen kann es sinnvoll sein, auch schon bei Grundschülern Nachhilfeunterricht zur Förderung der Lesekompetenz zu geben.

Hier einige Tipps zur Verbesserung der Lesekompetenz:

laut lesen: Texte laut vorzulesen ist zum Lesen lernen wohl unabdingbar, aber auch in höheren Schulklassen sollte man es immer wieder trainieren. Hierbei sollte man natürlich auf eine geeignete Umgebung achten: Es sollte relativ ruhig sein, d.h. es sollte keine Musik oder Fernsehen im Hintergrund laufen, man sollte selbst niemanden stören, aber auch nicht gestört werden und wenn man jemandem vorliest, sollte diese Person auch wirklich zuhören und nicht nebenbei irgendwas erledigen, was zu viel Aufmerksamkeit fordern. Viele Kinder stehen zu sehr unter Druck, wenn sie jemandem vorlesen sollen. Dadurch wollen sie es möglichst schnell hinter sich bringen, vergessen zwischendurch Pausen zu machen und verhaspeln sich. Ihnen ist aber nicht geholfen, wenn man “woanders hinguckt” oder sich nebenbei mit etwas anderem beschäftigt. Im Gegenteil: Dadurch irritiert man sie erst recht. Stattdessen sollten sie besser ganz alleine und ungestört üben.

flüssig lesen: Vielen Schülern bereitet es große Probleme, einen Text flüssig vorzulesen. Das liegt in der Regel nicht daran, dass sie ihn selbst nicht verstünden, sondern umgekehrt: Sie können ihn gar nicht verstehen, weil sie alleine auf das Vorlesen konzentriert sind. Das Geheimnis des flüssigen Vorlesens liegt darin, mit den Augen etwas schneller zu lesen als mit dem Mund. Eine erste Hilfe ist es oft, wenn man senkrechte Linien auf das Papier zeichnet und sich zwingt, nicht Wort für Wort oder Silbe für Silbe zu entziffern, sondern mit den Augen von Linie zu Linie zu springen. Wenn man gleichzeitig den gerade gelesenen Text mit einem Stück weißem Papier abdeckt, verhindert man, dass die Augen wieder zurückspringen und man so die Stelle verliert, wo man gerade war. …mehr dazu
Dagegen ist es eher hinderlich, den Text, der noch gelesen werden soll, abzudecken und nur jeweils das Wort oder gar den Buchstaben aufzudecken, wo man gerade ist. Obwohl das “Buchstaben zusammen Schleifen” teilweise immer noch in Grundschulen angewandt wird, macht diese Methode höchstens bei absoluten Leseanfängern Sinn. Und selbst da sollte man besser mit dem Finger oder mit einem Stift mitgehen um die Orientierung zu erleichtern.

Tipps für Profis: Wer einen gelesenen oder auswendig gelernten Text im Rahmen eines Lesewettbewerbs oder eines Theaterstücks vortragen will, sollte sich bewusst machen, das dieser Text für die Zuhörer völlig unbekannt ist. Deswegen “serviert” man den Text in kleinen “Häppchen”: Bei jedem Komma und jedem Punkt macht man eine kleine Pause, damit die Information beim Zuhörer sacken kann. Ideal ist ein Lesetempo, das einem selbst übertrieben langsam vorkommt. Passagen mit wörtlicher Rede sollte man möglichst durch unterschiedliche Stimmlagen deutlich machen. Auch Satzzeichen, wie Frage- und Ausrufezeichen, sollten in der Sprechmelodie zum Ausdruck kommen. Eine deutlichere Aussprache trainieren professionelle Redner, indem sie mit einem Korken zwischen den Zähnen üben. Um das Stimmvolumen zu steigern, kann man sich vorstellen, man müsste durch eine Wand hindurch sprechen oder besser gesagt brüllen. Oft erreicht man auch eine besseres Stimmvolumen, wenn man die Stimmlage etwas absenkt. Außerdem spricht man automatisch lauter, wenn man selbst schlecht hört, beispielsweise Ohropax benutzt, was sich natürlich bei Auftritten nicht unbedingt empfiehlt, aber eine gute Vorbereitung sein kann.

Wortschatz beim Lesen erweitern – in Fremdsprachen lesen

Gespeichert unter: Tipps — leaboos @ 2:44

In der Nachhilfe selbst bleibt selten Zeit, Lektüren zu lesen, wenn sie nicht ohnehin im Schulunterricht durchgenommen werden.

Da dies jedoch wahrscheinlich der interessanteste und nebenbei auch nachhaltigste Weg ist, eine Fremdsprache oder überhaupt das Lesen zu lernen, sollte man zumindest versuchen, seine Nachhilfeschüler dafür zu begeistern.

Viele Schüler wachsen gänzlich ohne Bücher auf und lesen selbst die Lektüren, die im Unterricht durchgenommen werden, nicht vollständig, sondern greifen lieber auf Verfilmungen oder Hörbücher zurück.

Wenn man sich die Auswahl an Pflichtlektüren, die nach der Einführung zentraler Abschlussprüfungen “übrig geblieben” sind, anschaut, kann man diese Leseverdrossenheit sogar sehr gut nachvollziehen. Wenn aber schon die Schule kaum noch echte Begeisterung für Literatur vermitteln kann, dann sollte man wenigstens die Nachhilfe dazu nutzen, dieses Interesse zu wecken.

Wie kann man also Schüler und Eltern davon überzeugen, dass “so viel wie möglich” zu lesen, das beste Mittel ist, um seine Leistungen zu verbessern?

Argumente: Vorweg ein paar (leider nicht für jeden selbstverständliche) Vorteile des Lesens: Beim Lesen setzt man sich selbstständig mit der Materie auseinander. Man bekommt nichts vorgesetzt, wie im Film, sondern kann selbst das Tempo und die Intensität bestimmen. Besonders schwierige oder “schöne” Passagen kann man so oft durchgehen, bis man sie wirklich verstanden und verinnerlicht hat. Man kann Wichtiges unterstreichen oder Erläuterungen am Rand vermerken. Man prägt sich nebenbei das Schriftbild ein und kann so seinen Fehlerquotienten abbauen. Man lernt neue Wörter im Zusammenhang kennen. Dadurch kann man sie sich erstens leichter einprägen und zweitens selbst im richtigen Zusammenhang verwenden, also in seinen aktiven Wortschatz einbauen.

Aufwand: Viele Eltern wissen zwar, wie wichtig das Lesen ist, aber kommen einfach nicht dazu, ein geeignetes Buch für ihre Kinder zu besorgen. Diese Arbeit kann man ihnen abnehmen, z.B. indem man einen Katalog von einem Buchverlag zur Nachhilfe mitbringt und mit dem Nachhilfeschüler eine Lektüre aussucht. In vielen Schulen und in den meisten Städten gibt es Bibliotheken, in denen man gegen eine geringe Gebühr Bücher ausleihen kann. Dazu müssen nicht einmal die Eltern selbst mitkommen. Auf Flohmärkten oder bei Internetauktionen bekommt man oft gebrauchte Bücher zu günstigen Preisen.

Sprachniveau: Viele Eltern und Schüler sind sich unsicher, ob das Sprachniveau eines Buches geeignet ist. Vor allem bei fremdsprachlichen Lektüren trauen sich Schüler oft weniger zu, als sie tatsächlich können. Grundsätzlich kann man natürlich jedes Buch verstehen, wenn einen das Thema wirklich interessiert. Aber es gibt auf fast allen Kinder- und Jugendbüchern Altersangaben. Bei fremdsprachlichen Büchern geben deutsche Verläge meistens das Sprachniveau an. …Tipps für Englischlektüren

“aktiv” lesen: Um eine Lektüre wirklich zu verstehen, reicht es oft nicht aus, es bloß durchgelesen zu haben. Oft spielen Hintergrundinformationen über den Autor, die Epoche oder sprachliche Besonderheiten eine große Rolle. Zu den großen Klassikern gibt es hierzu eine Menge Sekundärliteratur. Der einfachste Weg ist jedoch, im Internet nach Interpretationen zu suchen. Es hat sich auch bewährt, unbekannte Begriffe oder neue Vokabeln herauszuschreiben und nachzuschlagen. Von den großen Klassikern gibt es oft Fassungen, die extra für den Unterricht aufbereitet wurden. Darin finden sich oft auch Vokabellisten, Begriffsdefinitionen und ein kurzer Lebenslauf des Autors. Obwohl Lehrer immer wieder darauf pochen, man müsse nicht jedes einzelne Wort kennen, um den Kontext verstehen zu können, sollte man sich privat diese Zeit nehmen. Vieles lässt sich sicherlich aus dem Zusammenhang erschließen. Aber um seinen Wortschatz effektiv zu erweitern, reicht es oft nicht aus, nur die ungefähre Bedeutung zu kennen. Natürlich macht das Lesen keinen Spaß mehr, wenn man jedes dritte Wort nachschlagen muss, aber es schadet sicherlich nichts, wenn man ein paar zentrale Vokabeln dazulernt.

konsequent lesen: Gerade bei fremdsprachlichen Werken fällt es oft schwer, sich einzulesen. Neben der Konzentration die man für das reine Entziffern der fremden Sprache braucht, muss man sich auch noch in die Szenerie einfinden, die Charaktere und Handlungsorte kennen lernen und die Kernproblematik erfassen. Hier sollte man nicht zu früh aufgeben: Wenn man erst mal über die ersten Seiten hinweg ist, fallen diese Anfangshürden weg und man kann sich wirklich auf die Handlung konzentrieren. Im Idealfall merkt man irgendwann gar nicht mehr, dass man in einer fremden Sprache liest. Trotzdem sollte man sich bei einem Buch, das einem partout nicht gefällt oder sprachlich zu schwierig ist, nicht bis zum bitteren Ende durchquälen. Während man in der Schule persönliche Interessen hinten anstellen muss, sollte man seine Freizeit dazu nutzen, seinen eigenen Geschmack zu entwickeln.

laut lesen: Um die Aussprache zu verbessern hilft nur eins: Sprechen üben. Zum Beispiel indem man einen (bekannten) Text in einer Fremdsprache laut vorliest. Hierbei sollte man natürlich auf eine geeignete Umgebung achten: Es sollte relativ ruhig sein, d.h. es sollte keine Musik oder Fernsehen im Hintergrund laufen, man sollte selbst niemanden stören, aber auch nicht gestört werden und wenn man jemandem vorliest, sollte diese Person auch wirklich zuhören und nicht nebenbei irgendwas erledigen, was zu viel Aufmerksamkeit fordern. Viele Schüler stehen zu sehr unter Druck, wenn sie jemandem vorlesen sollen. Dadurch wollen sie es möglichst schnell hinter sich bringen, vergessen zwischendurch Pausen zu machen und verhaspeln sich. Ihnen ist aber nicht geholfen, wenn man “woanders hinguckt” oder sich nebenbei mit etwas anderem beschäftigt. Im Gegenteil: Dadurch irritiert man sie erst recht. Stattdessen sollten sie besser ganz alleine und ungestört üben.

Oktober 15, 2007

Referate vorbereiten

Gespeichert unter: Didaktik — leaboos @ 10:40

Referate sind zum Ende des Schuljahres ein verbreitetes Mittel, um die mündliche Note zu steigern, aber dank moderner Lehrmethoden (Stichwort: Lernen lernen und so) werden Referate mehr und mehr Bestandteil des regulären Unterrichts.

Oft werden Nachhilfelehrer sogar eigens engagiert, um einen Schüler bei der Referatsvorbereitung zu unterstützen. Hier einigeTipps, worauf man dabei achten sollte:

Aufgabenstellung ernst nehmen:
(Zu) schlecht bewertete Referate fallen meistens in die Kategorie “Thema verfehlt”. Oft liegt liegt dies an Missverständnissen zwischen Lehrern und Schülern: Mit einer Aufgabenstellung wie “Dann erzähl uns doch mal was über Vulkanismus.” kann man als Schüler in der Regel wenig anfangen, als Nachhilfelehrer noch viel weniger. Optimal ist natürlich eine schriftliche Aufgabenstellung. Die wenigsten Lehrer werden jedoch den Aufwand betreiben, zu einem Referat eine schriftliche Aufgabenstellung auszudrucken. Deswegen sollte man den Schüler beauftragen, so genau wie möglich in Erfahrung zu bringen, wie sich der Lehrer das Referat vorstellt: Wie genau ist das Thema abzugrenzen? Welche Themenblöcke gehören noch dazu, welche nicht mehr? Wie lang soll der Vortrag sein? Kommt es allein auf den mündlichen Vortrag an oder soll darüber hinaus auch eine schriftliche Ausarbeitung abgegeben werden? Ist das Referat eher als Einführung oder als Wiederholung gedacht? Soll es sich um einen Ausblick oder ein praktisches Beispiel zum aktuellen Unterrichtsthema handeln? Oder soll es womöglich sogar eine Unterrichtseinheit ersetzen und das Thema erschöpfend abhandeln?
Recherchieren und Material sammeln:
Wenn diese Zielrichtung geklärt ist, muss man sich zunächst einen Überblick verschaffen. Dieses Stadium ist für Nachhilfelehrer besonders kompliziert: Man soll den Schüler bei einer Arbeit begleiten, die er eigentlich völlig selbstständig erledigen müsste, will ihm nichts vorkauen, aber auch nicht untätig zuschauen. Wichtig ist, dass man den Nachhilfeschüler wirklich zur Recherche anleitet, aber nicht seine Arbeit übernimmt. Trotzdem sollte man vorbereitet sein, falls die Ausbeute zu dünn aufällt: Hierzu reicht es jedoch, ein paar Ausdrucke mitzubringen. Diese auszuwerten, bleibt Aufgabe des Nachhilfeschülers. Manchmal geben Lehrer als Hilfestellung einige Arbeitsblätter zum Thema mit, nennen Literaturtipps oder geben Seiten im Lehrbuch an, wo man sich vertiefende Informationen beschaffen kann. Wenn solche Informationsquellen nicht vorhanden sind, bietet sich natürlich das Internet zur Recherche an. Besonders empfehlenswert, wenn auch von vielen Lehrern eher misstrauisch betrachtet, ist hierzu die freie Enzyklopädie Wikipedia, die sehr umfangreich, wenn auch nicht immer wissenschaftslich einwandfrei über alle nur erdenklichen Themen berichtet – allerdings sollte man die Informationen gegebenfalls mit anderen Quellen abgleichen, um sicher zu gehen, dass man sich nicht unnötig mit umstrittenen Einzelmeinungen befasst. Je nach Anspruchsgrad des Lehrers und der Jahrgangsstufe muss man auch die Quellen angeben. Dazu sollte man sich am besten auf jeder Kopie Autor sowie Form und Datum der Veröffentlichung (vor allem bei Zeitungsartikeln) notieren.

Referatsstruktur erstellen:
Um ein Referat überzeugend vorzutragen, braucht man einen roten Faden, den man auch den Zuhörern klar verdeutlichen sollte. Hierzu sollte man gemeinsam mit dem Nachhilfeschüler nochmal die gesammelten Materialien durchgehen und sie nach unwichtig und wichtig, oberflächlich und detailliert unterteilen. Das ein Referat aus einer Einführung, einem Hauptteil und einem Schluss besteht, dürfte hinreichend bekannt sein. Wie die einzelnen Teile auszugestalten sind, hängt stark vom Fach, vom Thema , vom Lehrer, vom Schüler selbst und natürlich von der konkreten Aufgabenstellung ab. Wichtig ist, dass die Einführung zunächst einen allgemeinen Überblick verschafft, man erst im Hauptteil tiefer ins Detail geht und zum Schluss einen kurzen Ausblick gibt, einen Bezug zur aktuellen Situation herstellt oder die Auswirkungen einer bestimmten Entdeckung, Erfindung, eines geschichtlichen Ereignisses, etc. auf die Gegenwart veranschaulicht. Hierzu gibt es jedoch keine 08/15-Lösungen, wie gesagt: Die Ausgestaltung ist letztlich Geschmacksfrage.

Hilfsmittel zum Vortrag:
Im Zuge der “moderner” Unterrichtsmethoden wird den Schülern mittlerweile eine umfangreiche Methodenkompetenz abverlangt, die im Idealfall diejenige des beurteilenden Lehrers noch bei Weitem übersteigen sollte. Während sich über Sinn und Unsinn dieses Methodenwahns trefflich streiten lässt, sollte man sich jedenfalls nicht die Blöße geben, ganz ohne Veranschaulichung vorzutragen.  Ob man dazu ein moderneres oder ein konventionelles Hilfsmittel verwendet, hängt vor allem von den Erwartungen des Lehrers ab, sollte jedoch auch auf die persönlichen Grenzen abgestimmt sein. Wenn man mit der Technik auf Kriegsfuß steht, sollte man sich lieber nicht bei einer Powerpoint-Präsentation blamieren – und wenn der Lehrer einem noch so viele Bonuspunkte darauf gegeben hätte. Aber vorsichtig: Wer sich als Technikkenner produzieren will, stößt bei Lehrern “der alten Schule” häufig auf taube Ohren. Eine gut gemachte Präsentation kann natürlich einen um so größeren Effekt erzielen, man sollte sich dann allerdings am besten selbst um das entsprechende Equipment kümmern (beim Hausmeister, Medienbeauftragten, etc. nachfragen) und die Geräte auch tatsächlich bedienen können.

An Präsentationsmitteln steht eine breite Palette zur Verfügung: Vom klassischen Tafelbild über Plakate, Karteikarten, Overhead-Folien, Handouts, selbstgebastelten Modellen oder kurzen Sketchen bis hin zu besagter Powerpoint-Präsentation, möchte ich hier darauf verzichten, die einzelnen Präsentationsformen vorzustellen.

Wichtig ist hierbei das richtige Maß zu finden. Wiederum gilt es, den persönlichen Geschmack des Lehrers möglichst genau zu treffen: Während der eine für kreative Spielereien empfänglich ist, sieht der andere Präsentationsmethoden eher als notwendiges Übel und ist mit einem kurzen Handout oder einer Folie zur Referatsstruktur zufrieden.  Andererseits sollte man jedoch die Möglichkeiten eines Präsentationsmittels auch ausschöpfen: Eine Powerpoint-Präsentation, die aus reinem Text besteht, sieht nach billigem Rumgepose aus – denn ein Handout oder ein Tafelbild hätte hierfür völlig ausgereicht. Wenn man also multimedial arbeiten will, sollte man auch Bilder, Filmausschnitte oder Tondokumente verwerten.

sicherer Vortrag:
Vor allem schüchterneren Schülern graut es oft davor, vor der Klasse Rede und Antwort zu stehen. In diese Angst darf man sich nicht hineinsteigern, mit einem beschwichtigendem “Wird schon nicht so schlimm werden!”, ist einem allerdings auch nicht geholfen, zumal die Ängste oftmals leider nicht unberechtigt sind: Es gibt tatsächlich nicht wenige Lehrer, die solche Situationen nutzen, um Schüler vor der Klasse bloßzustellen. Und es gibt auch übel meinende Mitschüler, die hierin ein gefundenes Fressen zum Lästern und Schikanieren sehen. Deswegen sollte man als Nachhilfelehrer solche Bedenken unbedingt ernst nehmen und sich nach deren Vorgeschichte erkundigen.

Anschließend sollte man dem Schüler allerdings klar machen, dass er sich früher oder später diesen Problemen ohnehin stellen muss und dass er diese Schikanen womöglich überbewertet oder fehlinterpretiert.

Allgemein gilt es beim Vortragen mit ruhiger, klarer Stimme langsam und deutlich zu sprechen. Positiv wird es bewertet, wenn man auf Zwischenfragen kurz eingeht, sich aber nicht dadurch vom Konzept abbringen lässt und bei der Sache bleibt. Sprachlich sollte man darauf achten, dass man nicht blind mit Fachbegriffen um sich wirft, sondern auch deren Bedeutung und die richtige Aussprache kennt. Außerdem kommen umgangssprachliche Ausdrücke oft unpassend rüber.

noch eine kurze Anmerkung zum Umgang mit Kritik:
Natürlich ist es voll daneben, wenn Mitschüler einen nach dem Referat im Beisein des Lehrers negativ kritisieren, sei es inhaltlicher oder methodischer Natur. Allerdings ist solche Kritik oft einfach nur trampelig und selten persönlich gemeint. Anstatt beleidigt zu reagieren, sollte man dem Mitschüler bei der nächsten Gelegenheit die Meinung sagen und es danach möglichst dabei beruhen lassen.

In aller Regel kommt es negativ rüber, wenn man zu einzelnen Kritikpunkten Stellung bezieht oder sich gar ausschweifend rechtfertigt. Manchmal sind ein paar klärende Anmerkungen sicher angebracht, aber man sollte sich wirklich bemühen, diese kurz zu halten. Schließlich hat man im Vorfeld lange genug geredet. Im Normalfall sollte man sichbei positiver wie negativer Kritik nur kurz bedanken und sich gegenbenenfalls kurze Notizen dazu machen.

September 11, 2007

Wie man konstruktiv Kritik übt

Gespeichert unter: Heiße Eisen — leaboos @ 4:04

In der Nachhilfe kommt es häufig zu Situationen, in denen man unangenehme Wahrheiten möglichst sensibel und professionell ansprechen muss. Um Eltern nicht vor den Kopf zu stoßen oder ihre Kinder bloß zustellen, sollte man einige Verhaltensregeln beherzigen, die eine Konfliktlösung erleichtern und das Gespräch auf einer sachlich-neutralen Ebene halten:

- sich Zeit nehmen:
Konfliktgespräche brauchen Zeit. Nichts ist unangenehmer als wenn jemand einem Vorwürfe macht und man anschließend keine Gelegenheit hat, dazu Stellung zu nehmen. Deswegen sollte man, wenn man es eilig hat, sich lieber vornehmen, ein leidiges Thema erst beim nächsten Mal ansprechen. Oder aber man hält es für so wichtig, dass man sich entsprechend Zeit dafür freiräumt. Auch in Bezug auf eigene Erwartungshaltungen sollte man sein Gegenüber nicht unter Druck setzen. In der Nachhilfe sollte man stets ein Dienstleistungsangebot sehen. Wenn gut gemeinte Ratschläge nicht angenommen werden, muss man das akzeptieren. Als Außenstehender wird man schnell missverstanden, wenn man sich kurz mit den Schulproblemen eines Nachhilfeschülers vertraut macht und dann prompt eine Musterlösung parat hat, so nach dem Motto: “Das ist ja alles ganz einfach. Du müsstest nur blabla…”

- authentisch bleiben:
Wenn man behauptet, eine Frage sei wichtig und müsse dringend geklärt werden, sollte man auch nonverbal Interesse und Kommunikationsbereitschaft signalisieren. Also: Hände aus den Taschen, aber bitte auch nicht die Arme vor der Brust verschränken, sondern am besten eine offene, zugewandte Körperhaltung einnehmen. Dem Gegenüber ins Gesicht sehen. Blickkontakt standhalten. Aufmerksam zuhören. Ruhig sitzen oder stehen bleiben. Nicht mit irgendetwas rumspielen oder zur Uhr schielen. Auch die Mimik und Stimmlage sollten mit dem Gesagten übereinstimmen: Es ist gar nicht so einfach, die Stimme ruhig zu halten, wenn man sich innerlich über etwas aufregt. Auch wenn es Überwindung kostet, sollte man nicht laut oder schrill werden und einen gelangweilten oder genervten Gesichtsausdruck vermeiden.

- aktiv zuhören:
Nicht nur in der Rhetorik, der Redekunst, sondern auch beim Zuhören ist es wichtig, “peinliche” Pausen auszuhalten. Vielen Menschen ist eine plötzlich eintretende Stille unangenehm und sie versuchen, das Schweigen mit Small Talk oder Übersprunghandlungen zu überbrücken. Für Gespräche über ernsthafte Themen sind solche Lückenfüller jedoch tödlich: Statt mit oberflächlichen Bemerkungen vom eigentlichen Thema abzulenken, sollte man dem Gegenüber lieber die Zeit lassen, seine Gedanken und Emotionen zu ordnen. Wenn eine Pause wirklich unerträglich wird, kann man das Gesagte nochmal in eigenen Worten zusammenfassen, damit der andere merkt, dass man ihn ernst nimmt und wirklich an seiner Sicht der Dinge interessiert ist.  Übrigens: In einer statistischen Untersuchung wurde festgestellt, dass ein Gesprächspartner allgemein als intelligenter, sympatischer und menschlich interessanter eingeschätzt wurde, wenn er einen etwas geringeren Redeanteil einnahm als die Testperson. Wortgewandtheit, Schlagfertigkeit und Äußerlichkeiten des Gesprächspartners trugen bei Weitem nicht so stark zu einem positiven Gesamteindruck bei, wie die Testpersonen in einer Voreinschätzung angenommen hatten. Die Fähigkeit aktiv zuzuhören, war dagegen vorab erheblich unterschätzt worden.

- für sich selbst sprechen:
Um zu vermeiden, dass der Schüler oder die Eltern sich persönlich angegriffen fühlen, kann man das Problem nicht als Vorwurf in der Du-Form, sondern neutral in der Man-Form oder noch besser als eigene Meinung in der Ich-Form schildern:
Nicht: “In diesem Chaos kannst du dich ja gar nicht konzentrieren.” “Merken Sie denn nicht, dass Sie Ihren Sohn ablenken, wenn Sie ständig stören?”
Sondern: “Ich finde, in diesem Chaos kann man sich nicht gut konzentrieren.” “Wenn ich dauernd unterbrochen werde, komme ich jedes Mal aus dem Konzept.”

- Vermutungen als Fragen formulieren:
Es wirkt schnell arrogant, wenn man anfängt, das Erziehungsverhalten der Eltern zu analysieren, gerade wenn man selbst noch jünger ist und keine eigenen Kinder hat. Deswegen sollte man sich mit Interpretationen zurück halten. Stattdessen kann man offene Fragen stellen, d.h. keine rhetorischen Fragen, die eine mögliche Antwort schon vorwegnehmen. Anschließend sollte man den Eltern entsprechend die Möglichkeit lassen, ihren Standpunkt deutlich zu machen und sich die Antwort anhören ohne ins Wort zu fallen.
Nicht: “Sie lassen Ihren beruflichen Frust an Ihrer Tochter aus.” oder “Kann es sein, dass Sie eigene Kindheitsträume durch Ihren Sohn nachträglich verwirklichen wollen?”
Sondern: “Weshalb glauben Sie, dass Sie genervt auf Schulprobleme Ihrer Tochter reagieren?” “Wenn Ihrem Sohn das Gitarre spielen keinen Spaß macht, wieso sagen Sie es dann nicht ab?”

- eigenes Verhalten erklären:
Kein Mensch ist unfehlbar. Deswegen sollte man auch selber, wenn man mal einen schlechten Tag hat, dem Nachhilfeschüler und seinen Eltern gegenüber klar machen, dass es einem leid tut und die schlechte Laune nichts mit ihnen zu tun hat:
z.B. “Entschuldigen Sie, dass ich heute nicht viel Zeit habe. Ich stecke grade mitten im Prüfungsstress.”

Was man vermeiden sollte:

Lästern: Auf keinen Fall sollte man mit anderen über Probleme in der Nachhilfe sprechen. Wenn man sich wirklich etwas vom Herzen reden muss, sollte man zumindest keine Namen nennen und auch keine näheren Angaben machen, die auf konkrete Personen schließen lassen. (Überhaupt sollte Diskretion in der Nachhilfe selbstverständlich sein. Vielen Leuten ist es sehr unangenehm, dass sie bzw. dass ihre Kinder Nachhilfe nehmen.)

Beleidigen: Persönliche Schuldzuweisungen bringen keinen weiter. Im schlimmsten Fall lassen wütende Eltern ihren Frust über den Nachhilfelehrer an ihren Kindern aus. Wenn man merkt, dass man gleich die Geduld verliert, sollte man das Gespräch lieber abbrechen, solange man sich noch zusammenreißen kann.

Verallgemeinern: Die Wörter “immer”, “nie”, “ständig” oder “dauernd” können einer sachlichen Diskussion nur schaden.

Auswendiglernen

Gespeichert unter: Didaktik — leaboos @ 8:13

In vielen Nachhilfefächern gibt es Grundlagen, die auswendiggelernt werden müssen: In Sprachen sind dies vor allem Vokabeln, in natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern Fachbegriffe, Definitionen oder Formeln.

Seine kostbare Unterrichtszeit sollte man tunlichst nicht mit Auswendiglernen verschwenden, aber man kann es den Nachhilfeschülern als Hausaufgaben aufgeben. Hier ein paar grundliegende Hinweise zu verschiedenen Lerntechniken:

Karteikarten: Beim Auswendiglernen kurzer Inhalte wie Fachbegriffe oder Vokabeln hat sich die Karteikartenmethode bewährt. Diese hat den Vorteil, dass nicht eine Unmenge an bereits bekanntem Stoff ständig mitwiederholt wird, sondern tatsächlich nur die Daten abgefragt werden, die man beim letzten Mal noch nicht abrufen konnte. Dadurch spart man Zeit. Außerdem ist die Motivation größer, wenn man nur wenige Minuten in das auswendig Lernen investieren muss. Nachteilig ist jedoch, dass das Schreiben und Einsortieren mit großem Aufwand verbunden ist. Ein weiterer Nachteil besteht in der Unübersichtlichkeit: Wenn einzelne Karteikarten verschwinden oder versehentlich falsch einsortiert werden, bleibt dies oft unbemerkt.

Lernplakate: Bei komplexeren Vorgängen z.B. naturwissenschaftlicher Art, empfehlen sich Lernplakate, auf denen man mit viel Farbe, Pfeildiagrammen, Skizzen, Symbolen und Bildern abstrahieren und visualisieren kann. Auf diese Weise kann man die “kreative”, linke Gehirnhälfte in den Lernvorgang mit einbeziehen, was zu einer höheren Wahrscheinlichkeit führt, dass der Lernstoff “hängen bleibt”. Die meisten Menschen können sich visuelle, bildhafte Informationen am besten einprägen. Diese Stärke kann man durch Lernplakate nutzen. Allerdings muss man dafür in Kauf nehmen, dass das eigene Zimmer nicht mehr mit Musik- oder Sportpostern bestückt wird, sondern mehr und mehr wie ein Fachraum aussieht – das entspricht nicht unbedingt jedermanns Geschmack.

Spickzettel: Obwohl das Verwenden von Spickzettel in Klassenarbeiten natürlich nicht gestattet ist, kann das Erstellen eines “Spickzettels” trotzdem hilfreich sein, um die wesentlichen Informationen des Lernstoffs zusammenzustellen. Das was man auf einen Spickzettel schreiben würde, sind wichtige Formeln, Daten, Fakten, Regeln, die man auswendig können sollte. Beim restlichen Lernstoff reicht oft ein Überfliegen und Durchblättern, um sich wieder an die Unterrichtsinhalte zu erinnern – vorausgesetzt natürlich, man hat damals aufgepasst.

Eselsbrücken: Unter einer Eselsbrücke versteht man eine einleuchtende, oft absurde Merkhilfe für wissenschaftliche Formeln oder Abfolgen. Im Internet finden sich viele Sammlungen von Eselsbrücken zu verschiedenen Unterrichtsfächern. Man kann aber auch selber kreativ werden und beispielsweise aus den Anfangsbuchstaben der 16 Bundesländer einen Satz bilden oder sich eine anschauliche Geschichte zur Reihenfolge der bisherigen Bundeskanzler ausdenken. Je alberner und absurder eine solche Herleitung ist, desto leichter lässt sie sich merken. Beim Auswendiglernen sollte man sich zu jedem Stichwort ein aussagekräftiges Bild einprägen. Auch Reime oder Rhythmen erleichtern das Auswendiglernen.

Mnemotechniken: Gedächtniskünstler, die sich 50-stellige Zahlen merken können benutzen bestimmte Techniken zur Memorisierung. So kann man beispielsweise einen ritualisierten Alltagsablauf, wie den täglichen Schulweg, das morgendliche Aufstehen oder den wöchentlichen Stundenplan in Gedanken durchlaufen und an markanten Punkten bestimmte Informationen ablegen: z.B. für die Reihenfolge der Alkane: An der Haustür liegt Methan, an der Straßenecke Ethan, beim Kiosk Propan und an der Bushaltestelle Butan.

Hörspiel: Gedichte, Texte für Theaterstücke, Definitionen oder andere Informationen, die man wortwörtlich lernen muss, kann man auf Band sprechen und z.B. auf dem Schulweg oder bei stupiden Tätigkeiten, wie z.B. beim Aufräumen anhören. Hier sollte man darauf achten, auch tatsächlich laut mitzusprechen oder zumindest in Gedanken bei der Sache zu sein.

September 8, 2007

Dauer einer Nachhilfeeinheit

Gespeichert unter: Tipps — leaboos @ 10:01

Während eine Schulstunde mit 45 min bundesweit einheitlich festgelegt ist, variiert die Dauer einer Nachhilfeeinheit von 45 – 120 min.

Hier eine Auflistung der Faktoren, die bei der zeitlichen Einteilung der Nachhilfe berücksichtigt werden sollten:

- Stoffmenge:
Unmittelbar vor einer Klassenarbeit ist natürlich mehr Lernstoff  zu bewältigen als in den Sommerferien – deswegen kann man je nach Bedarf längere oder kürzere Einheiten vereinbaren. Dabei sollte man jedoch beachten, dass viele Stunden Marathonlernen unmittelbar vor der Arbeit sich nur in den seltensten Fällen auszahlt. Man kann viel mehr Lernstoff aufnehmen, wenn man mit Hilfe eines sinnvollen Lernplans mehrmals die Woche Termine vereinbart und so den Lernstoff in bewältigbare Päckchen unterteilt.

- Komplexität des Lernstoffs:
In der gymnasialen Oberstufe oder an Fachoberschulen ermöglichen längere Unterrichtseinheiten es oft erst, einem Thema überhaupt die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen, da die Sachverhalte oft hochkomplex sind und man eine Weile benötigt, um die Grundlagen aufzufrischen und einen Zugang zur Materie zu bekommen.

- Konzentration:
Jüngere Schüler haben meistens Probleme, über längere Zeit still zu sitzen. Sie sind -wenn überhaupt- einen 45 min-Rhythmus von der Schule gewöhnt. Mehr ist bei ihnen oft nicht drin. Wenn man Pausen und weniger anstrengende Phasen (Vorlesen, Small Talk) einbaut, kann man aber 45 min reine Unterrichtszeit auch bequem auf 60 min ausdehnen.

- Verhältnis von Anfahrtszeit zur Unterrichtszeit:
Für den Nachhilfelehrer macht es natürlich wenig Sinn, für eine 45 min-Einheit lange Anfahrtswege in Kauf zu nehmen. Wenn die Eltern längere Einheiten ablehnen oder der Nachhilfeschüler so unkonzentriert ist, dass mit ihm nur kurze Einheiten möglich sind, kann man einen höheren Stundenlohn vereinbaren, damit sich die Nachhilfe trotzdem rentiert. Oder man empfiehlt der Familie eben, sich einen Nachhilfelehrer zu suchen, für den der Anfahrtsweg weniger ins Gewicht fällt.

- organisatorischer Aufwand:
Oft wollen die Eltern vor oder nach der Nachhilfe noch Formalien abklären oder sich nach dem Lernfortschritt ihres Kindes erkundigen. Manchmal muss vor der Nachhilfe erstmal Platz am Schreibtisch geschaffen werden oder die Nachhilfeschüler sind so lustlos oder so unkonzentriert, dass man eine lange “Aufwärmphase” in den Unterricht einbauen muss. Dies sollte man natürlich auch bei der Zeitplanung berücksichtigen.

- finanzielle und zeitliche Kapazitäten:
Klar ist, dass lange Einheiten mehr kosten als kurze. Dafür bedeuten sie aber für alle Beteiligten weniger organisatorischen Aufwand als mehrere kurze Einheiten in einer Woche. Je nachdem wie flexibel man zeitlich ist, bzw. wieviel die Eltern bereit sind zu zahlen, kann es also Sinn machen, mehrere Einheiten an verschiedenen Wochentagen zu einem Termin zusammenzufassen.

Wenn die Eltern einverstanden sind, kann man die zeitliche Einteilung aber auch je nach Situation anpassen: An manchen Terminen gibt es nicht viel Neues, weil z.B. die Ferien anstehen oder der Fachlehrer krank war. An anderen Tagen wiederrum steckt man gerade mitten in einer Aufgabe, wenn die Zeit eigentlich schon rum ist. In solchen Fällen sollte man wenn irgendmöglich versuchen, die Aufgabe noch zu Ende zu bringen. Zum Ausgleich kann man ja beim nächsten Mal entsprechend früher zu gehen.

September 4, 2007

mündliche Mitarbeit steigern

Gespeichert unter: Didaktik — leaboos @ 1:56

Obwohl Nachhilfe in aller Regel darauf ausgerichtet ist, die schriftlichen Schulleistungen zu verbessern, kann man auch am mündlichen Notenanteil, der oft sogar den größeren Prozentsatz ausmacht, arbeiten. Zwar bewertet die mündliche Note nicht nur die Beteiligung im Unterricht, sondern drückt vielmehr auch eine regelmäßige Teilnahme am Unterricht, eine regelmäßige Erledigung der Hausaufgaben sowie Bewertungen von Vokabel- o.ä. -tests, Lernkontrollen oder mündlichen Abfragen aus. Als Nachhilfelehrer hat man auf diese Faktoren jedoch kaum Einfluss. Gerade bei Schülern mit Prüfungsangst oder mit fachspezifischen Lernschwächen ist eine Verbesserung der mündlichen Mitarbeit daher der naheliegenste Weg, um die Noten langfristig zu steigern.

Wie aber lässt sich die mündliche Mitarbeit durch die Nachhilfe positiv beeinflussen?

- Selbstbewusstsein stärken: Mangelnde Unterrichtsbeteiligung rührt bei vielen Schülern nicht von Unwissenheit oder Desinteresse, sondern schlicht von Schüchternheit. Das beste Rezept gegen Schüchternheit sind Erfolgserlebnisse: Wer regelmäßig gute Noten schreibt, wird weniger Hemmungen haben sich im Unterricht zu beteiligen. Da Nachhilfeschüler naturgemäß vorwiegend schlechte Erfahrungen in dem betroffenen Fach machen, sollte man als Nachhilfelehrer versuchen, ihnen ihre Stärken und ihren persönlichen Lernfortschritt aufzuzeigen. Man sollte auch kleine Erfolge loben und sachlich-ruhig mit Fehlern umgehen.

- Sprachkompetenz verbessern:
Viele Schüler sagen im Unterricht zu wenig, weil sie sprachlich unsicher sind, ihnen schlicht die Vokabeln fehlen, um einen bestimmten Sachverhalt in Worte zu fassen oder sie Angst haben mit fehlerhaften Beiträgen einen noch schlechteren Eindruck zu hinterlassen. Bei einigen Lehrern ist diese Angst sogar gerechtfertigt: Leider gibt es immernoch viele Fremdsprachenlehrer (und auch andere Fachlehrer in Bezug auf Schüler mit Migrationshintergrund), denen eine fehlerfreie Aussprache über inhaltliche Mitarbeit geht. In diesen Fällen hilft nur Sprechtraining: Den Nachhilfeunterricht wenn möglich in der entsprechenden Sprache abhalten. Dem Schüler viel Gelegenheit geben, frei zu sprechen. Gegenbenenfalls kann man auch eine Sprachreise empfehlen.

- Unfaires Lehrerverhalten entzaubern: Leider gibt es immer wieder Lehrer, die schüchterne Schüler noch zusätzlich verunsichern, indem sie übertrieben auf Fehler reagieren, sie vorführen, mit rhetorischen Fangfragen nachbohren, ihre Wortbeiträge unterbrechen, ihnen nicht aufmerksam zuhören oder ihre Wortmeldung komplett ignorieren. In einem solchen Unterrichtsklima fällt es sogar selbstbewussten Schülern schwer, sich mit ihrem Wissen einzubringen oder auch nur Fragen zu stellen. Für schüchterne Schüler wird dies annähernd unmöglich. Wenn man von solchen Vorfällen hört, kann man als Nachhilfeschüler ruhig darauf hinweisen, dass es allgemein unüblich ist, so mit Schülern und ihren Schwächen umzugehen. Jedoch sollte man sich davor hüten, in plumpe Lehrerschelte zu verfallen. Sonst wirkt man schnell unseriös.

- Mitarbeit kontinuierlich steigern: Man kann von keinem Schüler verlangen, dass er innerhalb weniger Wochen sein ganzes Unterrichtsverhalten umkrempelt. Ein erster Schritt ist, dass der Schüler sich überhaupt wieder von sich aus meldet. Man kann z.B. vereinbaren, dass der Nachhilfeschüler eine Strichliste führt, wie oft er sich meldet und wie oft er drangenommen wird. Als Faustregel gilt: 3 Wortmeldungen pro Schulstunde. Dies kann jedoch je nach Thema, Unterrichtsstil, Klassengröße und Fachbereich stark variieren. Leider neigen Lehrer außerdem dazu, Schüler in Schubladen einzukategorisieren: Wer einmal als “zu still” oder “zu unaufmerksam” abgestempelt ist, wird sich nur mit größten Schwierigkeiten wieder von seinem Image befreien können. Eine schrittweise Steigerung zahlt sich daher oft erst langfristig – manchmal sogar erst nach einem Lehrerwechsel – aus.

- Wortbeiträge vorbereiten: In Einzelfällen kann man die mündliche Mitarbeit gezielt in der Nachhilfe vorbereiten. Dies ist vor allem bei Referaten der Fall. Man kann aber auch einzelne Hausaufgaben vorbereiten und anschließend üben, sie vorzutragen. Die meisten Lehrer erwarten nicht unbedingt brilliante Geistesblitze von ihren Schülern, sondern lediglich ein bisschen Eigeninitiative beim Vortragen der Hausaufgaben oder Wiederholen bekannter Unterrichtsinhalte.

- äußere Umstände überprüfen: Häufig gibt es aber viel einleuchtendere Gründe für eine mangelnde Beteiligung: Eine ungünstige Sitzkonstellation, bei der der Nachhilfeschüler ungestört schwätzen oder träumen kann, häufig von unkonzentrierten Tischnachbarn abgelenkt wird, zu weit von der Tafel entfernt ist oder sogar mit dem Rücken zur Tafel sitzt. Selbst die berüchtigte erste Reihe muss nicht unbedingt die beste Wahl sein: Viele Lehrer übersehen Wortmeldungen in der ersten Reihe, wenn sie während des Unterrichts im Klassenraum auf und ab gehen oder stets bemüht sind, die hinteren Reihen im Blick zu behalten. Häufig ist auch eine unbemerkte Seh- oder Hörschwäche Ursache der mangelnden Beteiligung.

Schließlich muss dem Schüler klar sein, dass er sich nicht dem Nachhilfelehrer, dem Fachlehrer oder seinen Eltern zu Liebe mehr beteiligen soll, sondern dass er einfach in der Schule die Möglichkeit hat, Erfahrungen zu sammeln vor einer Gruppe Menschen zu sprechen, die ihm später nur von Vorteil sein können. Man muss sich nicht komplett umkrempeln, aber ein bisschen stärker aus sich herauszugehen, wird fast allen Schülern möglich sein.

September 1, 2007

Nachhilfe um von einer 2 auf eine 1 zu kommen?

Gespeichert unter: Heiße Eisen — leaboos @ 1:22

In unserer Leistungsgesellschaft hängt die persönliche Zukunft stark von Schulnoten ab. Daher machen sich viele Eltern schon bei kleinsten Leistungseinbrüchen ihrer Kinder Sorgen, stellen absurde Erwartungshaltungen an sie oder definieren sich selbst zu stark über das schulische Fortkommen ihrer Kinder.

Im Extremfall kann dieser gutgemeinte, aber übertriebene elterliche Ehrgeiz dazu führen, dass ein Nachhilfelehrer engagiert wird, obwohl die Noten noch im befriedigenden bis guten Bereich rangieren. Wer als Nachhilfelehrer einen solchen Job annimmt, kann zwar möglicherweise viel Lebenserfahrung mitnehmen, sollte sich aber auf eine anstrengende Zeit gefasst machen:

- besserwisserische Kritik: Oft würden die Eltern ihren Kindern am liebsten selbst weiter helfen, haben aber aus zeitlichen oder persönlichen Gründen nicht die Möglichkeit. Dies hält sie jedoch erfahrungsgemäß nicht davon ab, den Lehrstil des Nachhilfelehrers unentwegt zu in Frage zu stellen oder übertriebene Anforderungen an seine Sachkompetenz zu stellen.

In diesem Fall darf man sich nicht beirren lassen. Unangemessener Kritik kann man den Wind aus den Segeln nehmen, indem man sich freundlich für die Ratschläge bedankt und verspricht, sie künftig zu berücksichtigen. Meistens lohnt es sich nicht, eine Diskussion über Sinn und Unsinn bestimmter Lehrmethoden vom Zaun zu brechen. Man kann schon durchblicken lassen, dass man sich bei seiner Vorgehensweise etwas gedacht hat, aber wenn es zu wissenschaftlich wird, sollte man sich defensiv verhalten und höflich auf die fortgeschrittene Zeit hinweisen.

- unrealistische Erwartungshaltungen: Ganz nebenbei: Der Unterschied zwischen einer 2+ und einer 1- ist so minimal, dass es keinem Nachhilfelehrer gelingen wird, bei einem so leistungsstarken Schüler noch einen merklichen Effekt herbeizuführen. Aber auch sonst rentiert sich Nachhilfe in der Regel erst längerfristig und oft besteht der positive Effekt leider nur darin, dass sich die Schulleistungen nicht noch weiter verschlechtern, sondern auf einem leistungsschwachen Level gehalten werden können.

Hier sollte man die falschen Hoffnungen nicht noch bestärken, sondern realistische Angaben machen, was machbar ist und was dem Zufall überlassen bleibt. Wenn man letzten Endes trotzdem die Schuld in die Schuhe geschoben bekommt, sollte man sich für den Nachhilfeschüler freuen, dass seine Eltern so große Stücke auf ihn halten und kann sich getrost in die Rolle des Buh-Manns fügen: Solange man ordentlich bezahlt wird, ist es doch besser, die Eltern haben endlich einen Sündenbock gefunden als dass sie weiter auf ihrem Kind herumhacken.

- Motivation des Nachhilfeschülers: Wenn den Schülern bewusst ist, dass ihre Nachhilfe eigentlich völlig überflüssig ist, neigen sie zu zwei Extremen: Die einen reagieren mit vollkommenem Desinteresse, sagen bei jedem Vorschlag “kann ich schon” oder “brauch ich nicht” und behandeln einen mit offen gezeigter Abneigung. Die anderen freuen sich über einen geduldigen und verständnisvollen Zuhörer, vor dem sie unverhohlen mit ihren Schulleistungen prahlen oder ihn mit ihrem Wissen verblüffen können.

In beiden Fällen muss man wohl oder übel vom herkömmlichen Nachhilfekonzept abweichen. Um demotivierte Schüler dennoch zu begeistern, sollte man versuchen so sehr wie möglich auf ihre Interessen einzugehen. Dabei darf man sich aber nicht um den Finger wickeln lassen: In irgendeiner Form muss der Nachhilfeunterricht stattfinden, sei es spielerisch oder streng diszipliniert. Denn wenn die Eltern mitkriegen, dass man die ganze Zeit nur gequascht hat, verliert man seinen Anspruch auf die vereinbarte Bezahlung. Mit übermotivierten Schülern zu arbeiten, ist wesentlich angenehmer: Man sollte versuchen ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie auch unabhängig von ihren Schulleistungen liebenswerte Menschen sind und das auch leistungsschwächere Mitschüler ihnen in anderen Dingen womöglich überlegen sind, bzw. dass sie auch von diesen noch etwas lernen können.

- eigene Interessen nicht vernachlässigen: Viele Eltern und Schüler, die ihr Leben stark leistungsorientiert ausgerichtet haben, neigen dazu, in einem Nachhilfelehrer eine Art Gouvernante zu sehen: Ihrer Meinung nach hat er ein vorbildliches Leben zu führen, stets abrufbereit zu sein, die Eltern nicht anzuzweifeln und im Zweifel seine eigene Ausbildung und sein Privatleben dem Terminplan des Nachhilfeschülers zu unterwerfen.

Darauf sollte man sich keinesfalls einlassen: Geld verdienen ist die eine Sache, dafür sein ganzes Leben umzustellen eine andere. Wenn man auf das Geld nicht angewiesen ist, sollte man so ehrlich sein, den Eltern zu erklären, dass ihr Kind keine Nachhilfe braucht und die Nachhilfe es schulisch nicht weiter bringen wird. Dass es ihrem Kind besser täte, seine Freizeit nicht mit einem so unnützen Termin zu verschwenden, sondern statt dessen in einem Sportverein, einer Musikschule, etc. mitzumachen. Und dass Noten eben nicht alles im Leben sind…

August 29, 2007

Nichtpädagogen im Schuldienst – Unterrichtsgarantie+ & Co.

Gespeichert unter: Jobs — leaboos @ 9:30

Was für die Bildungspolitik ein Fluch sein mag, kann Nachhilfelehrern zum Segen werden: In fast allen Bundesländern sind die Schulen dazu angehalten, Pools mit Aushilfslehrern anzulegen, sodass im Falle von Unterrichtsausfällen Ersatzkräfte abrufbar sind, die meistens recht kurzfristig den Unterricht wieder aufnehmen können. In der Regel sind es Lehramtsstudenten, aber auch arbeitslose Akademiker, manchmal sogar hilfsbereite Eltern oder Ein-Euro-Jobber, die den Unterricht übernehmen. So bieten sich hier auch völlig neue Möglichkeiten für erfahrene Nachhilfelehrer (, die ganz – nebenbei gesagt – unter den genannten Personengruppen wahrscheinlich sogar die besten Lernergebnisse bei den Schülern bewirken könnten).

Die Debatte um den Einsatz von Nichtpädagogen im Schuldienst betrifft völlig unterschiedliche Interessensgruppen. So muss sie auch unter den verschiedenen Gesichtspunkten diskutiert werden: Einerseits haben die Schüler, bzw. deren Eltern, ein berechtigtes Interesse daran, dass der Unterricht möglichst ausschließlich von dafür ausgebildeteten Kräften gehalten wird. Andererseits sind häufige Unterrichtsausfälle und damit verbundene unzuverlässige Schulzeiten ebenso eine Zumutung für berufstätige Eltern wie für die betroffenen Schüler gleichermaßen, die sich zwar spontan über ihr Schulfrei freuen, aber dadurch im Endeffekt umso schlechter auf ihre Abschlussprüfungen vorbereitet werden.

Des Weiteren sind die Interessen der arbeitslosen Lehrer betroffen: Der Spiegel schreibt: “Schulen in NRW suchen z.B. derzeit 320 Lehrer-Aushilfen – dem stehen 3600 ausgebildete Grundschullehrer ohne Anstellung gegenüber.” (Ausgabe Nr. 35/ 27.8.07) Die GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, in der viele Lehrer organisiert sind) sieht darin einen Trend zum Billig-Unterricht: Die Aushilfslehrer kosten gerade mal einen Bruchteil des entsprechenden Lehrergehalts.

Schließlich stellt sich die Frage, ob es sich für die beteiligten Aushilfslehrer selbst lohnt:

- schlechte Bezahlung: Die Aushilfsstunden werden teilweise nur mit 15,- €/ Unterrichtseinheit vergütet. Das ist weniger als sich auf dem freien Markt mit Nachhilfe verdienen lässt. Immer wieder werden Fälle bekannt, wo Aushilfslehrer monatelang auf ihr Geld warten mussten und teilweise Außenstände in 4-stelliger Höhe ansammelten. Man sollte also die Bezahlungsformalitäten im Vorfeld genau mit dem Schulleiter absprechen.

- Stoß ins kalte Wasser: Diejenigen, die Erfahrungen mit Lehrer-Aushilfe gemacht haben, beklagen sich oft über eine miserable Einarbeitung: Leute, die nie im Leben eine Pädagogikvorlesung besucht haben, sollen im Handumdrehen Grundschulklassen beim Lesen lernen oder im Sportunterricht anleiten. Viele erfuhren erst durch Zufall, welche (Lern)Behinderungen, Erkrankungen oder sonstige Besonderheiten ihre neuen Schüler haben.

- unzuverlässige Arbeitszeiten: Wie eingangs bereits erwähnt, kommen die Anfragen oft sehr kurzfristig. Im Einzelfall kann der Aushilfsjob mit langen Anfahrtszeiten verbunden sein, da sich ein Umzug für die kurze Überbrückungszeit kaum in Frage kommt. Einige Aushilfslehrer erfuhren auch genauso kurzfristig, dass sie am nächsten Tag nicht mehr gebraucht würden – als sie den Unterricht schon vorbereitet hatten.

- Buh-Mann im Kollegium: Oft wird auch von feindseligem Verhalten der festangestellten Lehrer berichtet: Aushilfslehrer werden von ihren neuen “Kollegen” oft wie Eindringlinge oder zumindest wie Fremdkörper behandelt. Von ihnen können sie nur wenig Hilfsbereitschaft oder Verständnis erwarten. Größtenteils werden die ihnen entgegengebrachten Vorurteile auch zutreffen: Kaum Unterrichtserfahrung, kein “Insider-Wissen” über die Besonderheiten der Schule, mangelnde pädagogische Stärke und Durchsetzungsfähigkeit, etc. Prinzipiell ist es ja auch nachvollziehbar, dass ausgebildete Lehrkräfte sich durch Aushilfslehrer in ihrem Selbstverständnis angegriffen fühlen: Sie, die für ihren Beruf jahrelang studiert haben, sollen jetzt durch gering qualifizierte Billiglöhner ersetzt werden?

- Einblicke ins Schulwesen: Lehramtsstudenten können jedoch sicher auch wertvolle Erfahrungen für ihren späteren Beruf sammeln und nebenbei ein bisschen Geld dazuverdienen…

Wer Interesse hat, als Aushilfslehrer an Schulen eingesetzt zu werden, sollte sich an die Schulleiter der in Frage kommenden Schulen wenden.

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